Gestern Abend fand im Gemeindezentrum Reinach das Podiumsgespräch zum Taunerhaus statt. Eingeladen hatte das Komitee “Pro Taunerhaus”.
Unter der Leitung von T. Brunnschweiler disktutierten die Herren Billerbeck und Hartmann (Referendums-Komitee) und die Herren Hemmig und Leuthardt (Stiftung Baselbieter Baukultur / Pro Taunerhaus).
Der kurzen Begrüssung durch Yvan Jeker (Präsident Komitee “Pro Taunerhaus”) folgte durch Herrn Brunnschweiler ein kurzer Rückblick in die Geschichte des Taunerhauses.
Der gemeinsame Nenner …
Franz Hartmann (als Privatmann und nicht GR!) ist der Ansicht, dass das hiesige Objekt kein Taunerhaus ist (er bleibt eisern den ganzen Abend dabei). Die Diskussion war lanciert. Zuerst wird der Versucht gestartet, einen gemeinsamen Nenner für das “Taunerhaus” zu finden. Ein aussichtsloses Unterfangen, wie sich am Ende des Abends herausstellt.
Adrian Billerbeck kann zum x-ten Male die gleichen Argumente des Referendums-Komitees für den Abriss vortragen und wirkt dabei zuweilen etwas steif und statisch. Schade, denn etwas mehr Emotionen hätten auch ihm gut getan. Überhaupt wurde er immer wieder in den Vordergrund gerückt. Es machte zeitweise fast den Eindruck, als ob ihn seine Partei für höhere Ämter aufbauen will (heute ist er Einwohnerrat…..). «
Beide Seiten versuchen mit Argumenten und Hinweisen auf die Bauweise, die Materialien (was gerade vorhanden war), die Nutzung (nur noch ein Wohnhaus) usw. das Gewicht auf ihre Seite zu schieben. Unentschieden.
Der Quartierplan und das liebe Geld …
Wie nicht anders zu erwarten, kamen die “Kontras” jeweils mit ihren Standard-Argumenten der behinderten Quartierplanung, der Verteuerung der Einstellhalle (Einfahrt), die Verunmöglichung von Trottoirs, dem Freiraum zwischen den Gebäuden, den Kosten für den Abriss und dem angeblichen Risiko für die Gemeinde. Das Taunerhaus als Störenfried und Fremdkörper.
Gleichzeitig wurden auch verschiedenste Zahlen und Theorien zu den möglich anfallenden Renovationskosten herumgeboten. Auch hier fundamentale Unterschiede in den Auffassungen. Die “Pros” – und so gesinnte Zuschauer – betonten einige Male, dass es auch heute noch Handwerker gibt, die eine solche Arbeit der Kunst wegen und nicht des Geldes wegen günstiger durchführen.
Die “Pros” würdigten die historische Substanz sowie die Kombination von Alt und Neu. Nicht nur wurde erklärt wie die geschätzten Kosten zustande kommen, sondern auch mit welchem Standard das Haus hergerichtet werden sollte. Sie erklärten, wie die Quartierplanung zweigleisig geführt wurde und wie sich das Taunerhaus harmonisch in eine Neubau-Siedlung einfügen würde. Die Argumente der “Kontras” konnten sie aus ihrer Sicht wiederlegen (siehe auch Web-Seite Pro Taunerhaus). Dabei machte insbesondere Leuthardt einen ruhigen, sachlichen und überlegten Eindruck.
Für Brunnschweiler ist es teilweise schwierig, den Faden nicht zu verlieren und die Ausgewogenheit der Diskussion zu erhalten. Zu hoch gehen zeitweise die Emotionen. Wieder zeigt sich der Einsatz resp. die Überzeugung beider Seiten für die Sache.
Die Erkenntnisse …
Das anwesende Publikum hat seine Meinung bereits vor dem Podiumsgespräch gebildet. Dennoch sind die Emotionen und der Einsatz für die Sache spürbar. Die teilweise hitzigen Voten passten in die schwül-heisse Atmosphäre des Gemeindesaales.
Die “Pros” hinterlassen den leicht besseren, weil sachlicheren Eindruck – vielleicht auch geprägt durch die mehrmals unmotivierten, äusserst emotionalen Äusserungen aus den Reihen der “Kontras”. Schade eigentlich – denn die Disziplin und Fairness wurde grösstenteils eingehalten.
Die Kernfrage – Erhalt oder Abriss – ging in der Diskussion um die Frage “ist es ein Taunerhaus” etwas unter.
Den Abschluss des Podiums läutete nicht etwa der Moderator ein – nein, Paul Wenger von den “Kontras” mahnte zu Fairness und machte den treffenden Hinweis, dass im Saal die Meinungen gemacht wären und man sich nur noch im Kreis drehen würde.
Wie auch im Wochenblatt Artikel vom 4. Juni 2009 “Wortgefecht ums Taunerhaus” geschrieben, trafen sich “historisch bewahrende” und “moderne, funktionelle Weltsicht”. Der etwas reisserische Titel trifft jedoch ziemlich genau den Verlauf. Entscheidend wird aber der 21. Juni sein.
Nach den Schlussworten – die nochmals die jeweiligen Positionen zementierten – wurde zum Apéro geladen, bei dem noch manch spannende und aufschlussreiche Diskussion geführt wurde.
Links / Artikel zum Podiumsgespräch:
- Artikel zum Thema Taunerhaus aus dem Wochenblatt vom 4. Juni 2009 (PDF-Format; Achtung: ca. 2.6 MB)
Einige Bilder vom Podiumsgespräch:
(aus technischen Gründen sind die Fotos nur in reduzierter Qualität verfügbar. Alle Bilder © by Knubbelog – Verwendung gem. Impressum)
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