Das Schicksal des Taunerhauses ist besiegelt

Abrissbirne ...

Abrissbirne ...

Das Reinacher Stimmvolk hat heute über das Schicksal des Taunerhauses entschieden. Trotz medialer “Überlegenheit” von ‘Pro Taunerhaus’ scheinen die Argumente des Referendums-Komitees mehr überzeugt zu haben. Oder sind es ganz einfach die Kosten-Überlegungen resp. der (zugegebenermassen) jämmerliche Zustand des Taunerhauses?

So wurde vom Stimmvolk heute das Referendum gutgeheissen. Das Taunerhaus wird also abgerissen werden. Wie und wann das passiert ist noch offen. Wie die Variante der Quartierplanung umgesetzt werden soll ist auch noch offen.

Eine kurze Wahlanalyse oder die Suche nach Gründen

Mit beinahe 36% Stimmbeteiligung haben sich meine Erwartungen leicht übertroffen. Gerechnet habe ich mit “nur” rund 30%. Die Brisanz des Themas, das Taunerhaus (oder eben nicht, wie viele sagen), hat wohl doch noch einige mehr zur Abstimmung bewogen. Rund 98.3% der Stimmen wurden brieflich abgegeben. Eine doch stattliche Zahl – und immer noch einfacher, als zu den mittlerweile sehr eingeschränkten Öffnungszeiten den Stimmzettel abzugeben.

Interessant wäre in diesem Zusammenhang noch die Altersstruktur der Stimmenden. Waren es eher die älteren Semester oder mehr die Jungen – oder war es gar ausgeglichen? Wer hat sich im Thema ausgekannt und wer ist einfach dem “sympathischeren” Komitee gefolgt? Fragen dieser Art gäbe es noch viele. Ändern am Resultat tun sie freilich nichts mehr.

Es gibt – wie es auch am Podiumsgespräch gesagt wurde – zwei Grundeinstellungen. Diejenige Gruppe, welche sich für den Erhalt von alter Bausubstanz und der Geschichte einsetzt und diejenige Gruppe, die gerne das Alte “platt” macht und sich dem Urbanen und der Moderne verschrieben hat.

Wo liegen die Gründe für das letztendlich doch (überraschend) deutliche Ergebnis?

Einerseits ist das Taunerhaus seit über 20 Jahren ein Thema in Reinach und andererseits ist es in einem optisch so schlechten Zustand, dass dies ein nicht unwesentlicher Faktor gewesen sein dürfte – obwohl es eigentlich nicht wirklich ein Grund ist. Gewichtigen Einfluss hatten hingegen sicherlich die finanziellen Aspekte. Dies um so mehr, als mit der derzeitigen Wirtschaftskrise ein gewichtiges Argument vorhanden ist.

Die Gegner monierten die Behinderung der Quartierplanung, die Kosten, die finanzielle Unsicherheit in Bezug auf die Renovationskosten sowie die möglichen Folgekosten für die Gemeinde.

Das Reinacher Stimmvolk (zumindest der Anteil mit einer NEIN-Stimme) will eine moderne Überbauung und hat anscheinend keinerlei Gehör für ältere Gebäude und die damit verbundene Kombination von alter und neuer Architektur.

Meine persönliche Einschätzung zur Motivation des Referendums-Komitees geht dahin, dass es nie wirklich um das Haus ging. Einfache betriebswirtschaftliche Rechnungen (grösstmöglicher Profit) sind da eher naheliegend. Das Taunerhaus muss weg. Auch wenn es in einem guten Zustand gewesen wäre, es hätte die Marschrichtung der “Kontras” nicht beeinflusst.

Die Gegner haben vorgelegt

Mit ihrer zu Beginn polemisierenden und populistischen Art haben die “Kontras” vorgelegt. Das Pro Komitee hat sich eher spät formiert und wirkte anfangs etwas “unbeholfen”. Vorwürfe wurden von beiden Seiten mit Gegenvorwürfen beantwortet. Erst spät wurden auch sachlich argumentiert. Erst mit der Lancierung der Homepage und der medialen Präsenz schienen die “Pros” vorübergehend aufgeholt zu haben. Sie waren allzeit präsent – aber eben erst relativ spät; vielleicht auch bereits zu spät. Da dürften schon viele Meinungen bereits gemacht worden sein. Die “Kontras” hingegen waren nicht so auffällig in den Medien vertreten, dafür (für mich) spürbarer für das Fussvolk mit persönlicher Präsenz.

Bedenkliches Verhalten einiger Gemeinderäte?

Wirklich Kopfzerbrechen sorgte bei mir lediglich das Verhalten der Gemeinderäte die das Referendums-Komitee unterstützten – zumal diese ja äusserst aktiv mitmischten (auch wenn Hr. Hartmann am Podiumsgespräch sich als “Privatperson” einzubringen versuchte).

Da mag es andere Meinungen geben – für mich ist das ein ganz klares NO GO! Aktive Gemeinderäte haben sich hier aus der Öffentlichkeit zurückzuhalten und die Meinung des Gesamt-Gemeinderates zu vertreten. Was sie hinter den Kulissen treiben ist dann ihre Sache.

Ich frage mich nur noch, was sich der Gemeinderat von Reinach in solchen Situationen auf die Fahne geschrieben hat. Wird ein Beschluss jeweils “einstimmig” unterstütz oder darf jedes Mitglied tun was es will?

Wie weiter?

Gespannt darf man auf die offiziellen Reaktionen der beiden Parteien und der Gemeinde sein. Im Gemeinde- und Einwohnerrat wird sicherlich auch noch die eine oder andere hitzige Diskussion geführt werden.

Ich erwarte nun ein klares und nachvollziehbares Vorgehen (inkl. Zeitplanung), welches der Öffentlichkeit zu unterbreiten ist. Der Reinachblog.ch wird das Thema weiter verfolgen und darüber berichten.

Links zum Thema:

.

Tagged with:  

Leave a Reply