Die Antwort …

On August 16, 2010, in Allerlei, Gemeinde Reinach, Politisches, Reinachblog, by Knubbelog
Reinach bald auf Twitter?

Reinach bald auf Twitter?

Letzte Woche habe ich im Blogbeitrag “Reinacher Zeitung – RIP” unseren Gemeindepräsidenten gefragt, ob er – resp. die Gemeinde –  diese Situation so belassen will. Ich habe eine interessante und ausführliche Antwort erhalten, die ich kurz kommentiert habe. Nachfolgend die beiden e-Mails von und an Herrn Hintermann: 

Guten Tag Herr Werren 

Sie wünschen eine Antwort – hier ist sie:
Sie bedauern es, dass die REIZ verschwunden ist. Ich teile Ihre Ansicht. Auch ich habe die journalistische Arbeit der REIZ, insbesondere zur Zeit, als sie noch auf Papier erschien, sehr geschätzt. Die Gemeinde hat diese Leistung auch honoriert und die Zeitung finanziell unterstützt.
 

Etwas anderes ist das Verschwinden der Plattform für Leserbriefe und Kommentare, was Sie ebenfalls bedauern. Wenn ich mir die Kommentare ansehe, die jeweils auf der Website der REIZ abgegeben wurden oder auf anderen Websites, wie z.B. der BaZ, immer noch abgegeben werden oder wenn ich auch die Beiträge in den verschiedenen Bloggs lese, dann weiss ich nicht recht, ob es ein Verlust ist, wenn eine solche Plattform verschwindet. Wir haben seitens Gemeinde ja auch die online-Ausgabe finanziell unterstützt. Aber meine Erwartungen sind nicht erfüllt worden. Es hat kaum spannende Diskussionen auf gehobenem Niveau gegeben. Die Kommentare / Streitgespräche haben sich auf einige wenige Themen beschränkt, wie Taunerhaus oder Alter Werkhof. Die Qualität der Beiträge war, gelinde gesagt, meist bescheiden. Wie das halt so ist mit online-Kommentaren: Sie sind meist mehr spontan als durchdacht – nicht unbedingt mein Geschmack. 

Der Gemeinderat hat sich sowohl im Vor- als auch im Nachgang zur Schliessung sehr wohl Gedanken zu Alternativen gemacht und sich gut überlegt, was die Aufgabe der Gemeinde ist und wozu wir Steuergelder einsetzen sollten und wozu nicht. Ich bin klar der Meinung, dass wir als Gemeinde genügend Informationen anbieten – nicht nur die amtlichen Mitteilungen, die aus rechtlichen Gründen notwendig sind. Abgesehen von gedruckten Publikationen und unserer Website informieren wir über das Gemeinde TV (Internet und Intergga). Wir nutzen das Wochenblatt und andere regionale Medien und wir machen sehr gezielte Öffentlichekeitsarbeit, wenn wir dies bei einem bestimmten Thema als notwendig erachten. Ich bin nicht der Meinung, dass wir als Gemeinde auch noch unbedingt einen Blogg anbieten müssen. Wenn schon, dann können ja auch Private einen solchen anbieten. Wenn er wirklich gut und spannend ist, dann wird er sicher auch genutzt. 

Aber die Kommunikationslandschaft ändert sich heute sehr schnell und man muss immer wieder überprüfen, ob das eigene Kommunikationsverhalten noch zeitgemäss ist – das machen wir selbstverständlich auch laufend. 

Mit freundlichen Grüssen 

Gemeinde Reinach
Urs Hintermann, Gemeindepräsident 

Seine Ausführungen habe ich für den Reinachblog.ch kommentiert: 

Sehr geehrter Herr Hintermann 

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und die ausführliche Antwort.
Ich bin weitgehend mit Ihren Ausführungen einverstanden. Die Gemeinde Reinach liefert auf der eigenen Web-Seite genügend Informationen. Hier bräuchte es nicht einmal ein gedrucktes Wochenblatt. 
 

Auch heute haben noch nicht alle Leute das Geschick oder den Willen, sich (nur) online mit Informationen zu versorgen – oder sie haben ganz einfach nicht die Möglichkeit eines Internetzugriffs. Denken wir hier nur einmal an die grössere Zahl der älteren Einwohner in Reinach. Es ist zu einfach, nur davon auszugehen, dass die allermeisten Einwohner sich via Internet mit Informationen versorgen. 

Das Thema “Gemeindeinformation” ist für mich aus diesem Blickwinkel zu eng gefasst. Es sind nicht nur die behördlichen Informationen, sondern auch alle anderen Beiträge, Leserbriefe und Publireportagen, die auf diese Weise die lokalen Leser mit Informationen versorgen. Das Wochenblatt ist dazu nicht in der Lage. 

Leserbriefe erfüllen den Zweck der (persönlichen) Meinungsäusserung und haben keinen Anspruch auf journalistische Perfektion – ja, sie haben bisweilen sogar Stammtischcharakter. Wenn Sie journalistisch hochstehende Beiträge und Diskussionen auf gehobenem Niveau erwarten, finden sich diese vielleicht in einer NZZ oder FaZ wieder, können aber nicht in lokalen Publikationen erwartet werden. Dieser Wunsch ist für mich zu elitär und zielt sicher an der breiten Bevölkerung vorbei. 

Ein Weblog ist da nur eine der Möglichkeiten und ohne (minimal) journalistischen Hintergrund meist nur “hemdsärmelig” zu realisieren. Das ist in den meisten Fällen auch gut so. Ich zähle mich übrigens mit dem Reinachblog.ch zu dieser Kategorie. 

Wir leben heute in einer “online-Zeit”. Alles geht schnell, vieles ist oberflächlich und ändert sich rasch. Sich dieser Tatsache zu verschliessen ist kurzsichtig. Social Media wird aber auch vor den Gemeinden nicht Halt machen. Gerade die junge Generation – das ist doch auch die Zukunft der Gemeinde Reinach?! – bewegt sich grösstenteils online und versorgt sich so mit Informationen. Warum ist die Gemeinde Reinach z.B. nicht auf Twitter oder Facebook (sind kostenlos) zu verfolgen? Die Info-Mails der Gemeinde könnten zusätzlich und mit äusserst wenig Aufwand verbreitet werden. Warum also nicht probieren? Das eigene Kommunikationsverhalten kann trotzdem laufend geprüft werden. Doch wer nur prüft und nicht handelt, bleibt stehen. [...] 

Mit freundlichen Grüssen
Fabian Werren
 

Anmerkung:
Herr Hintermann hat der Veröffentlichung des e-Mail-Verkehrs zugestimmt. (16.08.2010)

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4 Responses to “Die Antwort …”

  1. Peter Wittwer says:

    Ich habe damals schon Frau Rüetschi und dem Gemeinderat empfohlen, eine elektronische Reinacher Zeitung zu unterhalten. Damals war ich dem Gemeinderat zu modern. Sie lancierten die Zeitung auf Papier! Die Webseite der Gemeinde wurde dann den Gemeindeinformatikern überlassen. Sie, Herr Werren, sind heute dem Gemeiderat wohl auch zu modern, zumal dies Herr Hintermann bestätigt. Reinach wird nie ein richtiges New Public Management zu Stande bringen. Zu verkorkst, zu altmodisch und zu hinterwäldnerisch. SP dominiert, alles selbstgestrickte …

    • Urs Hintermann says:

      Guten Tag Herr Wittwer

      Genau diese Art von undifferenzierter bis dümmlicher Kritik («SP dominiert, alles selbstgestrickte …») bestätigt mich in meiner Meinung, dass derartige Bloggs wenig bringen – und zumindest nicht von der Gemeinde mit Stuergeldern finanziert werden sollten. Was tragen diese spontan hingeworfenen, unüberlegten Kommentare zur Verbesserung des Lebens in Reinach bei? Sie reden beispielsweise von New Public Mangagement, aber ich muss aus ihren Äusserungen schliessen, dass Sie keine Ahnung vom Projekt Reinacher Reform haben. Um wirklich einen Beitrag zur Hebung der Lebensqualität in Reinach leisten zu können reicht es nicht, nach Feierabend ein paar Breitseiten gegen Behörden abzuschiessen.

  2. Knubbelog says:

    Sehr geehrter Herr Hintermann

    Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu. Solche Kommentare sind eher weniger konstruktiv. Private Meinungen können auf unterschiedliche Art und Weise geäussert werden ….

    Wie wäre es, mit einem Gastbeitrag zum Projekt “Reinacher Reform” Aufklärungsarbeit zu leisten? Gerne lade ich Sie dazu ein! DAS wäre auch konstruktiver, als die von Ihnen gemachten Äusserungen.

    Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass der Reinachblog.ch die freie Meinungsäusserung bewusst zulässt und nur dann redigiert/eingreifft, falls die gem. Hinweisen im Impressung ( http://www.reinachblog.ch/impressum-2/ ) definierten Regelungen verletzt werden.

    Ausserdem beansprucht der Reinachblog.ch in keinster Art und Weise irgendwelche Unterstützung durch die Gemeinde (Steuergelder o.ä.) und hat dies auch nicht vor. Der Reinachblog.ch bleibt ein freier, privater Blog. Ihr Kommentar könnte entsprechend zu Fehlinterpretationen führen.

    Freundliche Grüsse
    Fabian Werren (aka Knubbelog)

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