Was hat Anerkennung, Respekt und fairer Wettstreit mit dem Taunerhaus zu tun?
Dazu nachfolgend meine eigene Interpretation.
Herr Wenger von der SVP hat heute in einem Kommentar auf einen Artikel in der Reinacher Zeitung (“Das Taunerhaus ist ein Kulturgut” von Yvan Jeker, FDP) folgendes gesagt:
“Anerkennen und respektieren wir doch einfach unterschiedlich Auffassungen und Ansichten. Ich weiss, du hast hier eine andere Meinung als ich. Leben wir damit im fairen politischen Wettstreit.“
Es ist schon interessant, dass gerade ein Vertreter der SVP (Reinach) so etwas sagt. Nehmen wir doch nur einmal den ersten Teil seiner Aussage. Eigentlich müsste jetzt gerade die SVP – der Aussage von Herrn Wenger entsprechend – die Entscheidung des Einwohnerrates akzeptieren. Vergesst das Referendung; das Taunerhaus wird also renoviert.
Denkste, nicht mit der SVP. Denn für die gilt die gemachte Aussage natürlich nicht. Das Akzeptieren der ‘Niederlage’ hat doch auch etwas mit Fairness zu tun, oder nicht?
Bleibt noch der Wettstreit. Wie dieser ausgeht, ist noch offen. Kommt das Referendum zustande, wirds sicherlich spannend. Zuerst der Wettstreit mit den (besseren) Argumenten pro/contra und danach der Wettstreit mit den Stimmen. Nehmen wirs sportlich und warten ab. Nach einer allfälligen Abstimmung muss aber Schluss sein – Abriss oder Renovation. Punkt.
Übrigens, der Herr Jeker ärgert sich über’s Geld. Doch Geld kostet die ganze Angelegenheit sowieso – ob Abriss oder Renovation. Die CHF 30’000.- für die Abstimmung (die Herr Jeker erwähnt) liesse sich ja mit mit der von der FDP angestrebten Abstimmung (Majorzverfahren Gemeinderat) verrechnen. Vermutlich ein Gleichstand.
Reinach hat wieder eine ‘Ruine’, über die sich zu diskutieren lohnt. Nein, ich beabsichtige an dieser Stelle nicht, die Geschichte des Taunerhauses aufzuarbeiten – zumindest nicht den historischen Teil …
Abreissen, erhalten, abreissen, erhalten. Dies geht anscheinend schon einige Jahre so. Mitte März dann ein neuer Anlauf – und ein hauchdünnes Ja im Einwohnerrat zur Erhaltung des Taunerhauses. Dass hier die Emotionen bei Befürwortern und Gegnern hochgehen ist verständlich; wenn auch aus ganz anderen Interessen.
Letzten Samstag wurde ich von Exponenten der SVP (namentlich von den Herren Urban und Lanz) auf das von der SVP (wieder einmal) lancierte Referendum angesprochen. Man kam nicht an ihnen vorbei; sie waren einfach überall.
Zuerst habe ich mich genervt – wie so oft über die SVP. Müssen die immer Nein sagen, Referenden ergreifen und überhaupt immer dagegen sein?
Stop!
Lassen wir diese Partei ‘mal weg und sehen die ganze Angelegenheit ohne parteipolitischen Hintergrund. Also habe ich zuerst einmal zugehört hingehört. Herr Urban hat mich beim Coop-Einstellhallen-Lift abgefangen und versucht mich mit vielen Bildern und einem Kugelschreiber für die Unterschrift zu überzeugen. Auf meine Frage, was denn mit dem ‘freien’ Grundstück passieren soll und ob es danach überbaut werden soll hat er geantwortet, dass “….es ‘frei’ bleiben solle und den bestehenden Überbauungen etwas mehr Raum resp. Luft geben soll….” Aha! Ist es wirklich so, oder habe ich etwas falsch verstanden? Ich bin untentschlossen und gebe mir noch etwas Bedenkzeit – zuerst fertig Einkaufen gehen.
Bei der Apotheke Hornstein wurde ich wiederum von einer beflaggten, gut gestaffelten und strammen (SVP) Fuss-Truppe abgefangen.
Ich hatte daraufhin eine sehr angeregte und interessante Diskussion mit Herrn Lanz. Notabene nicht nur zum Thema Taunerhaus. Vielmehr kamen auch andere Themen wie der ‘biometrische Pass‘, die Personenfreizügigkeit und weitere gemeindepolitische Themen etc. zum Zug.
Beinahe wäre ich da schon ‘gekippt’ und hätte unterschrieben. Aber irgendwie wusste ich noch zu wenig resp. konnte und wollte mich einfach noch nicht entscheiden. Immerhin habe ich mir ein Exemplar des Referendums-Unterschriftenbogen mitgeben lassen.
Damit ich das mir ein aktuelles Bild vom Taunerhaus machen kann bin ich dann am Sonntag Morgen für eine kurze “Besichtigung” vorbeigeradelt.
Mit dem grau verhangenen Himmel und dem schummrigen Licht sieht das Taunerhaus wahrlich ziemlich übel aus. Beinahe denkt man, dass das alte Haus demnächst umkippt. Ich bin ja kein Bauexperte, aber da rein würde ich jetzt sicher nicht freiwillig gehen.
Soll ein altes, marodes, baufälliges Haus erhalten werden um historische Gelüste zu befriedigen oder soll die “Moderne” Einzug halten und das (derzeit) optische Übel entfernt werden? Schlussendlich dreht sich doch wieder alles nur ums Geld – was kostets, was bringts? Ohne dickes Plus und fette Rendite wird sich zumindest ein grosser Teil der renditehungrigen Wirtschaftsecke für die rentablere Variante entscheiden. Die Befürworter des Erhalts werden sich mehrheitlich an den geschichtlichen Wert des Hauses klammern.
Ich bin immer noch unentschlossen und immer noch weder für noch gegen den Abriss bzw. den Erhalt des Taunerhauses. Das Referendum habe ich trotzdem unterschrieben – soll das Reinacher Stimmvolk entscheiden. Doch dann muss definitiv Schluss sein!
Was bleibt?
Jeder soll sich seine eigene Meinung bilden und – falls das Referendum zu Stande kommt – abstimmen gehen. Dann haben wir den angestrebten ‘Volkswillen’. Wer hat wohl die besseren Argumente?
In den nachfolgenden Links sind einige “Anbieter” zum Thema Taunerhaus aufgeführt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!).
Links zum Thema Taunerhaus:
- Homepage Gemeinde Reinach
- Beschlüsse Gemeinde Reinach vom 12. und 16.03.2009
- KoPF Bericht Nr. 86 “Zwischenbericht zum Entwicklungsgebiet Taunerquartier” (09.02.2009)
- Artikel in der Reinacher Zeitung zum Thema
- Nein zum Taunerhaus (SVP Reinach)
- Referendumsbogen Taunerhaus (PDF-Download)
- Stiftung für Baselbieter Baukultur
- DRS Regionaljournal Basel Baselland (Tondokument; 13.03.2009)
Übrigens, hat schon ‘mal jemand nachgerechnet, was die Aufwände für Initiative kosten resp. kosten würde? Beschluss, Vorbereitung, Unterschriftensammlung, etc. Was hätte man nicht alles mit dem Geld und der Zeit machen können ….
Die BazOnline schreibt heute in Ihrem Artikel “Billag-Gegner: Bye Bye Facebook“:
“Rückschlag für die «Bye Bye Billag»-Initiative auf Facebook: Weil die Gruppe so viel Zuspruch findet, wird ihr Austausch mit den Mitgliedern eingeschränkt. Die Web 2.0-Politaktivisten werden auf der Strasse um Unterschriften weibeln müssen.“
Ich frage mich so oder so, mit welchen stichhaltigen Gründen diese Eintreiber-Firma eine Existenzberechtigung hat. Ich habe überhaupt nichts gegen die Radio- und Fernsehgebühren. Wenn ich aber sehe – oder eben genau nicht sehe – was mit den rund 50 Mio. CHF geschieht, die sie verdienen sollen … Dann gute Nacht. Transparenz scheint es nicht zu geben (gibt es denn verlässliche Firmenzahlen?); aber irgendwelche Leute müssen anscheinend sehr gut davon leben können.
Heute geht der Trend zu immer mehr Gebühren. DA sind die Behörden und Politiker für einmal äusserst kreativ. Sollen aber Prozesse (Abläufe) vereinfacht werden, scheitert dies oft an angeblichen Vorschriften, Gesetzen oder Seilschaften.
Die Web-Seite “Bye Bye Billag” hat zum Ziel, eine Volksinitiative zu lancieren, die diesen Umstand beheben soll. Der Einzug der Gebühren via Steuererklärung wäre einfach(er), (vermutlich) rasch zu realisieren und zig Millionen Franken könnten gespart werden.
Dass die Initianten mit Facebook ein Problem haben (siehe BaZ-Artikel) sollte Sie und uns nicht davon abhalten, sie zu unterstützen. Notfalls – und falls zulässig – sollen die Unterschriftsbögen als Download zur Verfügung gestellt werden. So könnten Kosten und Aufwand gespart werden.
Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten sehen, wie sich die Situation mit der Billag entwickelt. Ich bin auf alle Fälle dabei.











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